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Artikel: 1. Ving Tsun - das etwas andere strategische Konzept 2. Chi-Sao - eine oft falsch verstandene Übungsmethode 3. 108, 116, 132 - über die Unveränderbarkeit der Formen 4. Ving Tsun gemixt mit anderen Stilen 5. Sparring mit Schutzbekleidung - Sinn oder Unsinn? 6. Falsche Vorstellungen durch Pseudorealismus 7. Ving Tsun - Kampfkunst, Selbstverteidgung oder schlichtweg Kung Fu? 8. Ving Tsun - leicht erlernbar und passend für jedermann? | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Ving Tsun - das etwas andere strategische Konzept Den Gegner in seinem Angriff hinein angreifen... Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfstilen setzt Ving Tsun beim Training nicht auf die Simulation bestimmter Angriffe und entsprechender 'Antworts'-sequenzen, sondern investiert die gesamte Zeit und Energie in eine quasi 'Verhaltensmodifikation'. Es werden bestimmte, für den Kampf relevante Verhaltensattribute erarbeitet (siehe hierzu auch unter Unterricht), die dann einhergehen, mit der Strategie, den Gegner als zentrale Angriffssymptomursache, im Moment seines in die Kampfdistanzkommens auszuschalten. Nach dem Motto: Ist der Angreifer an sich außer Gefecht, kommt es auch zu keinem weiteren Schlag, Tritt, Hebel oder Wurf mehr. Anstelle sich mit der unglaublichen und unvorhersehbaren Vielzahl von Variablen auseinanderzuseten, versucht das Ving Tsun lieber die Dinge in ihrer prinzipiellen Einfachheit zu sehen, Zusammenhänge und Geschehnisse zu simplifizieren und entsprechend auf einfachstem, direktesten und schnellstem Wege zu lösen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Chi-Sao - eine oft mißverstandene und falsch ausgeführte Übungsmethode Chi-Sao ist eine der zentralen Übungen des Ving Tsun-Stils. Zumeist mit 'Klebende Hände' wiedergegeben, verleitet diese Übersetzung zu großen Mißverständnissen und spiegelt nicht die tatsächliche weitreichende Bedeutung für die Entwickelung der kämpferischen Fertigkeiten des Praktizierenden wieder. Tatsächlich geht es in diesem Übungskomplex weder nur um die Hände / Arme, die Gesamtheit des Körpers und Geistes ist vielmehr gefordert, noch wird ein 'Kleben' , sprich ein passives Folgen der Gegnerischen Arme, ein Fixieren auf diese, angestrebt, da dieses ein dem Gegner und dessen Agieren Ausgeliefertsein bedeuten würde (dass dieser hilft sich selbst zu besiegen, dürfte ja wohl eher unwahrscheinlich sein). Ein weiteres weit verbreitetes Mißverständnis bzgl. dieser Übung ist, daß es sich dabei um ein(e) Gefühlstraining / -schulung handelt, und zwar in dem Sinne, daß der Anwender rein aufgrund seines Tastsinnes den Gegner besiegen kann. Richtig ist schon, daß bestimmte Kontaktreflexe entwickelt werden, nur diese von unseren anderen Sinnen abzukoppeln und zwar mit der Begründung, daß dieser Sinn nicht manipulierbar sei, entspricht a. nicht der Realität und wäre b. unklug (warum sollte man auf Vorteile freiwillig verzichten???). Gerade im Ving Tsun benutzt man Druck (via Tastsinn) eben oft auch dazu, um den Gegner zu bestimmten Aktionen zu verleiten und das sehr erfolgreich. Stellt sich also nun die Frage, was, bzw. wofür ist diese Übung, warum hat sie eine derart große Bedeutung und besteht ihre Relevanz nur bei Kontakt (z.B. Infight)? Zu Beginn gilt es, ganz bestimmte allgemeine, kampfrelevante Verhaltensweisen zu schulen, die bei diesem System mit dessen Konzeption (sicherlich bei vielen anderen Stilen entsprechend ihrer Ausrichtung auch) von wesentlicher Bedeutung sind: - Ausrichtung (frontal dem Gegner zugewandt stehen) -Gleichzeitigkeit (beide Arme kommen voll zum Einsatz) -Strukturaufbau (Kraftübertragung-Einsatz der Gesamtkörpermasse) -Distanz ('ein Gefühl dafür entwickeln', in welcher Entfernung ich mich zum Gegner befinden muß, um diesen effektiv treffen zu können, bzw. entsprechend, ob der Gegner mich effektiv erreichen kann). Schreitet man in den Übungen weiter fort, so kommen auch die anderen wesentlichen Aspekte voll zur Geltung, die da sind: -Timing (wann muß ich mich bewegen) -Verständnis der einzelnen Techniken und letztlich der große Komplex, der letztlich überall dann zum Einsatz kommt, 'strategisches Verhalten und Verständnis'. All diese Fertigkeiten, betrachtet man diese in ihrer Essenz, sind nicht nur Aspekte des Infights, sprich wenn bereits Kontakt besteht, sondern sind wesentlich in allen Bereichen, Distanzen einer Auseinandersetzung: Wie positioniere ich mich, meine Waffen im Raum, in Relation zum Gegner. Wann bewege ich mich rein oder raus und in welche Richtung. Kann der Gegner mich effektiv treffen, bzw. erreiche ich ihn wirklich mit voller Kraft. Wie greife ich am besten an, wie schütze ich mich am sinnvollsten, usw., usw.. Sprich alle Aspekte des benötigten Verhaltens/der benötigten Fähigkeiten können er-/bearbeitet werden. 'Können bearbeitet werden' und da liegt wieder ein wesentlicher Knackpunkt, sprich Gefahrenquelle, wie aus einer perfekten Übung günstigstenfalls eine 'Nullrunde' wird, ungünstigstenfalls sogar das Verhalten negativ beeinflußt (z.B. fehlerhaftes Distanzgefühl, den gegnerischen Händen hinterherjagen, Einsatz von Mitteln, die in der Folge die Aufgabe weiterer Optionen bedeutet, usw.), falls nicht genauestens auf die Umsetzung / Einhaltung der Prinzipien und Konzepte geachtet wird. Auch darf das Chi-Sao-Training nicht zu einem Ego-Konkurrenzkampf werden, wo es darum geht, selbst bloß nicht getroffen zu werden und denn anderen, am besten noch als Revanche, zu treffen denn daraus können ebenfalls eine Vielzahl von Fehlern (ungünstigem Kampfverhalten) entstehen, wie z.B. zu sorgloses Angreifen, Wegdrehen, Wegdrücken, Gegenhalten, Festhalten, u.V.m.. Versucht man also stets diese Vorteile zu erlangen und ist andererseits bemüht, die Fehler zu meiden, hat man eine Übung, die einem in der Entwickelung wirklich weiterhelfen kann. Insofern: Gutes (qualitatives) Üben. Gruß Michael | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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108, 116, 132 - über die Unveränderbarkeit der Formen Ein beliebtes Streitthema der diversen *ing*un-Sippen ist die Frage nach der letztlichen Authenzität. Diese wird nur allzu gerne an den Formen festgemacht, insbesondere an der Anzahl und Abfolge der Techniken. Stellt sich nur die Frage, was ist Ving Tsun, bzw. wofür ist es da, inklusive seiner gesamten Übungen? Aufgabenstellung war doch wohl, und so sollte es meines Erachtens nach auch heute noch sein, dass man erlernt, sich im tatsächlichen Krisenfall zu behaupten. Das Ving Tsun stellt nun eine Möglichkeit dar, wie man eben dieser Zielsetzung näher kommt, sprich man sich sowohl ein strategisches Konzept, wie die notwendigen körperlichen und geistigen Voraussetzungen aneignet. Dabei sollte es eigentlich so sein, dass die 'Hilfsmittel' dem Ziel zuarbeiten und nicht umgekehrt, diese zum Selbstzweck werden. Entsprechend sollte jede situativ notwendige Modifikation (z.B.) der Formen ohne Zögern von statten gehen, wenn es eben hilfreich ist. Andererseits muß man aber auch ebenso schnell bereit sein, Sachen, die sich als problematisch, 'schlechtes Verhalten' produzierendend, erwiesen haben, wieder zu korrigieren. Stur und starr an sinnlosen Äußerlichkeiten festzuhalten zeigt nur, in was für einer wirklichkeitsfremden Isolation man sich befindet. Viel besser ist es da, konstruktiv experimentell und offen zu sein. Schließlich soll einem das Sytem helfen und nicht umgekehrt, wir von diesem gefangen sein. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Ving Tsun gemixt mit anderen Stilen Tatsächlich ist Ving Tsun ein spezielles System, daß sich eben mit einer ganz spezifischen Problemstellung auseinandersetzt: Dem Überleben im regellosen Straßenkampf. D.h. in Bezug auf Auseinandersetzungen geht man davon aus, daß es weder irgendwelche Schutzbekleidung (Kopf, Körper, Beine, Fäuste), noch weiche Untergründe (z.B. Mattenboden) und auch keine fair denkende und handelnde Gegner (plus evtl. 'kollegialen' Anhang) gibt. Entsprechend ist das gesamte strategische Konzept (und so natürlich auch die Trainingsarbeit) konzipiert: Lernen, einen Gegner schnellstmöglich und mit dem geringst möglichem Risiko auszuschalten. Ändert sich aber die konzeptionelle Zielsetzung, und so zwangsläufig auch die Voraussetzungen / Gegebenheiten, so muß auch die Trainingsarbeit entsprechend modifiziert werden. Meidet man z.B. auf der Straße den Boden, so gibt es heute, insbesondere in der MMA-Szene, viele Akteure, die sich gerade auf diesen Bereich spezialisiert haben. Ein anderer, nicht zu unterschätzender, Unterschied ist die Länge der Auseinandersetzung: Nicht nur durch die Erfahrung und Versiertheit der teilnehmenden Opponenten kann sich die Kampfzeit in die Länge ziehen, sondern auch Schützer beeinflußen Wirkung ausgeteilter Treffer. Problematisch sowohl für Psyche, aber eben auch besonders für die Physis (kostet doch wirklich jede Aktion immens an Kraft). Was ist also zu tun? Jeweils den passenden Stil für den passenden Gegner erlernen? Immer weiter das eigene System mit neuen Teilen aufblähen? In der Tat muß man sich mit der jeweiligen Problemstellung auseinandersetzen. Allerdings sollte man erst einmal im eigenen System schauen, was dort für Möglichkeiten zu finden sind und entsprechend diese Möglichkeiten primär ausbauen / entwickeln / verstärken. Erst, wenn tatsächlich man davon ausgehen muß, daß aufgrund ganz besonderer situativer Umstände das System keine direkten adaptiven Elemente enthält, kann/muß man extern nach Lösungsansätzen suchen. Wobei man immer die Problematik der widersprüchlichen konzeptionell strategischen Ansätze bedenken muß: Z.B. unterschiedliche 'Waffen'-Favorisierung bedingt unterschiedliche Distanzen. Verschiedene Wege oder auch verschiedene Formen der Krafterzeugung produzieren wiederum unterschiedliche Art und Weise des Agierens. Falsch Kombiniertes, oder das zu frühe Verlassen des eigentlich favorisierten Konzeptes (Stichwort: Von jedem etwas, allem das Beste...) kann leicht in der situativen Konfusion (Verwirrung, Zögern) enden und so zu ensthaften Problemen führen. D.h. also in Konsequenz: Sich also schon bewußt auf entsprechende Anforderungssituationen vorbereiten. Diesbezüglich ist es sehr sinnvoll, sich dann auch mit Spezialisten des jeweiligen Gebietes auseinanderzusetzen. Sei es nun tatsächlich um Unterricht zu erhalten, oder auch nur um praktische Erfahrung mit anderen Arten des Agierens zu sammeln (um so dann eben die eigenen Strategien zu entwickeln). Inwieweit man dann tatsächlich systemfremde Elemente übernimmt oder sich doch besser auf die eigenen vertrauten Mittel verläßt, hängt von jedem einzelnen ab. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||